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BRIAN Solar
Planung & Technik

PV-Anlage für eine Wärmepumpe auslegen: wie viel kWp ein Haus in Germering braucht

9 Min. LesezeitBRIAN Solar Ratgeber

Wer in Germering neu baut oder die Heizung tauscht, plant beides oft im selben Jahr: Photovoltaik aufs Dach, Wärmepumpe in den Keller. Die naheliegende Frage lautet dann, wie groß die Solaranlage sein muss, damit die Wärmepumpe möglichst viel eigenen Strom bekommt. Die ehrliche Antwort ist unbequem — größer als für den Haushaltsstrom allein, aber deutlich kleiner, als es die reine Jahresbilanz vermuten lässt. Entscheidend ist nicht die Kilowattstunde auf dem Papier, sondern die Uhrzeit, zu der sie anfällt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus zieht je nach Gebäude rund 3.000 bis 6.000 kWh Strom im Jahr — etwa so viel wie ein kompletter Haushalt.
  • Als Faustwert kommen 2 bis 3 kWp zusätzlich aufs Dach, wenn eine Wärmepumpe dazukommt; ein voll belegtes Dach schlägt jede Rechnung.
  • Der Solaranteil am Wärmestrom liegt realistisch bei 20 bis 35 Prozent — im Winter liefert die Anlage am wenigsten, wenn die Wärmepumpe am meisten braucht.
  • Ein Wärmespeicher ist meist wirkungsvoller als zusätzliche Batteriekapazität, weil er Sonnenstrom als Wärme über den Abend trägt.
  • Das Zählerkonzept gehört vor die Anmeldung: getrennter Wärmepumpenzähler oder gemeinsamer Zähler entscheidet über Tarif und Eigenverbrauch.
  • Seit §14a EnWG akzeptieren neue Wärmepumpen eine Leistungsreduzierung durch den Netzbetreiber — im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte.

Was eine Wärmepumpe an Strom wirklich braucht

Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe ergibt sich aus zwei Größen: dem Wärmebedarf des Gebäudes und der Jahresarbeitszahl der Anlage. Der Wärmebedarf steht in der Heizlastberechnung; die Jahresarbeitszahl beschreibt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage über das Jahr aus einer Kilowattstunde Strom macht.

Ein saniertes Einfamilienhaus in Germering mit rund 15.000 kWh Wärmebedarf und einer Jahresarbeitszahl von 3,5 kommt auf etwa 4.300 kWh Strom im Jahr. Läuft dieselbe Anlage in einem schlechter gedämmten Haus mit höheren Vorlauftemperaturen bei einer Arbeitszahl von 2,8, sind es schon knapp 5.400 kWh. Die Differenz entsteht nicht am Gerät, sondern am Gebäude.

Für die PV-Planung bedeutet das: Die Wärmepumpe verdoppelt den Stromverbrauch des Hauses in etwa. Wer vorher 4.000 kWh brauchte, landet danach bei 8.000 bis 9.500 kWh. Genau diese Zahl gehört an den Anfang der Auslegung — nicht die Dachfläche.

  • Wärmebedarf aus der Heizlastberechnung, nicht aus dem Bauchgefühl
  • Jahresarbeitszahl 3,0 bis 4,0 je nach Vorlauftemperatur und Wärmequelle
  • Warmwasser separat mitrechnen: rund 500 bis 800 kWh Strom pro Jahr
  • Ergebnis: typisch 3.000 bis 6.000 kWh zusätzlicher Strombedarf

Wie viele Kilowattpeak daraus folgen

Im Raum München liefert ein Kilowattpeak installierte Leistung realistisch 1.000 bis 1.150 kWh im Jahr — spürbar mehr als der Bundesschnitt von 950 bis 1.050 kWh. Auf dem Papier würde eine 5-kWp-Anlage den Wärmestrom einer typischen Wärmepumpe also vollständig abdecken.

In der Praxis stimmt das nicht, weil Erzeugung und Verbrauch zeitlich auseinanderfallen. Die Anlage produziert ihren Ertrag zwischen März und September, die Wärmepumpe arbeitet zwischen November und März. Was im Juni übrig bleibt, lässt sich nicht in den Januar mitnehmen.

Deshalb rechnen wir anders herum: Wir belegen zuerst alle sinnvoll nutzbaren Dachflächen und prüfen dann, welchen Deckungsanteil das ergibt. Als grobe Orientierung gilt, dass eine Wärmepumpe die sinnvolle Anlagengröße um 2 bis 3 kWp anhebt — aber jedes zusätzliche Modul auf einer freien Fläche ist trotzdem die günstigste Kilowattstunde, die Sie je bekommen werden.

  • Ertrag im Raum München: 1.000 – 1.150 kWh je kWp und Jahr
  • Haushalt allein: meist 6 – 8 kWp sinnvoll
  • Haushalt plus Wärmepumpe: meist 9 – 12 kWp, sofern das Dach es hergibt
  • Ost-West-Flächen mitnehmen: sie verlängern den Ertragstag und passen gut zum Wärmepumpenprofil

Der realistische Deckungsanteil — und warum er niedriger ist als erhofft

Ohne jede Steuerung deckt eine gut dimensionierte PV-Anlage etwa 20 bis 25 Prozent des Wärmepumpenstroms. Mit Batteriespeicher und einer Überschusssteuerung sind 30 bis 35 Prozent erreichbar. Werte darüber hinaus versprechen manche Anbieter, sie halten der Jahresabrechnung aber selten stand.

Der Grund liegt in der Dezemberlücke. In den vier Wochen um die Wintersonnenwende liefert eine Anlage im Münchner Westen nur einen Bruchteil ihres Sommerertrags, während die Wärmepumpe unter Volllast läuft. Kein Speicher in Haushaltsgröße überbrückt diese Wochen.

Das ist kein Argument gegen die Kombination, sondern eines für saubere Erwartungen. Ein Drittel des Wärmestroms vom eigenen Dach senkt die Heizkosten deutlich — es ersetzt aber keinen Stromvertrag. In den Übergangsmonaten März, April und Oktober dagegen läuft die Wärmepumpe an vielen Tagen fast vollständig solar.

Speicher: Wärme schlägt oft Batterie

Bei der Frage nach dem Speicher denken die meisten zuerst an die Batterie. Für die Wärmepumpe ist der Pufferspeicher aber häufig der wirksamere Hebel: Er nimmt mittags Sonnenwärme auf und gibt sie abends ab, ohne dass Strom zweimal gewandelt werden muss.

Ein großzügig dimensionierter Warmwasserspeicher wirkt genauso. Die Warmwasserbereitung mittags in das Ertragsfenster zu legen, ist die einfachste Form der Eigenverbrauchsoptimierung überhaupt — sie kostet nichts außer einer Zeitschaltung in der Wärmepumpenregelung.

Ein Batteriespeicher bleibt trotzdem sinnvoll, aber vor allem für den Haushaltsstrom am Abend. Ihn nur wegen der Wärmepumpe zu vergrößern, rechnet sich meist nicht: Die Kapazität, die im Dezember helfen würde, steht im Juli ungenutzt herum.

  • Pufferspeicher: verlagert Wärme über den Abend, ohne Umwandlungsverluste
  • Warmwasser mittags bereiten statt nachts — kostenlose Optimierung
  • Batterie nach Haushaltsprofil dimensionieren, nicht nach Wärmebedarf
  • Typisch bleiben 5 bis 10 kWh nutzbare Batteriekapazität im Einfamilienhaus

Zählerkonzept und Netzanschluss frühzeitig klären

In Germering ist Energienetze Bayern der zuständige Verteilnetzbetreiber. Sowohl die PV-Anlage als auch die Wärmepumpe müssen dort angemeldet werden — und beides betrifft denselben Zählerplatz, weshalb die Entscheidung früh fallen sollte.

Zwei Konzepte stehen zur Wahl. Beim gemeinsamen Zähler laufen Haushalt und Wärmepumpe über einen Zählpunkt: Der Solarstrom versorgt beides direkt, dafür gilt der normale Haushaltstarif. Bei getrenntem Wärmepumpenzähler gibt es einen günstigeren Wärmestromtarif, der eigene Solarstrom erreicht die Wärmepumpe aber nur über eine Kaskadenschaltung oder ein Energiemanagementsystem.

Welches Konzept günstiger ist, hängt vom Verhältnis aus Tarifdifferenz und erwartetem Solaranteil ab. Bei hohem Eigenverbrauch gewinnt meist der gemeinsame Zähler, bei hohem Netzbezug der Wärmestromtarif. Diese Rechnung führen wir vor der Anmeldung durch, weil ein späterer Wechsel des Zählerkonzepts einen erneuten Zählerplatzumbau bedeutet.

§14a EnWG: was die steuerbare Wärmepumpe bedeutet

Wärmepumpen mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung, die seit 2024 in Betrieb gehen, gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber darf sie bei Netzengpässen vorübergehend in der Leistung reduzieren — abschalten darf er sie nicht, eine Mindestleistung bleibt garantiert.

Im Gegenzug bekommen Betreiber reduzierte Netzentgelte, wahlweise als pauschaler Jahresbetrag oder als prozentualer Abschlag auf den Arbeitspreis. Für die meisten Einfamilienhäuser ist die Pauschale die einfachere Wahl.

Praktisch spürbar ist die Regelung selten: Eingriffe sind bislang die Ausnahme, und ein Pufferspeicher überbrückt eine kurze Reduzierung ohne Komfortverlust. Für die Planung heißt das vor allem, ein Steuergerät und die passende Kommunikationsanbindung von vornherein einzuplanen.

Die richtige Reihenfolge

Wer beides plant, sollte mit dem Gebäude anfangen. Die erreichbare Vorlauftemperatur entscheidet über die Jahresarbeitszahl und damit über den Stromverbrauch — und der Stromverbrauch ist die Eingangsgröße für die PV-Auslegung. Wer die Reihenfolge umdreht, legt die Anlage auf eine Zahl aus, die sich später ändert.

Technisch spricht dagegen nichts, die PV-Anlage zuerst zu bauen. Im Gegenteil: Ein Dach, das ohnehin gerüstet ist, wird günstiger belegt, und die Anlage liefert bereits Erträge, während die Heizungsplanung läuft. Wichtig ist nur, den Zählerplatz und die Leitungswege für die spätere Wärmepumpe gleich mit vorzusehen.

Umgekehrt gilt: Wenn die alte Heizung ausfällt und die Wärmepumpe kurzfristig kommen muss, ist das kein Problem. Die PV-Anlage lässt sich jederzeit ergänzen — nur der Zählerplatz sollte dann schon Platz für den Einspeisezähler haben.

  • Heizlast und Vorlauftemperatur klären
  • Stromverbrauch der Wärmepumpe daraus ableiten
  • Dachfläche aufnehmen und Verschattung prüfen
  • Zählerkonzept festlegen, dann anmelden
  • Speicher und Steuerung zum Schluss, passend zum tatsächlichen Profil

Häufige Fragen

Wie viel kWp brauche ich für eine Wärmepumpe?

Als Orientierung erhöht eine Wärmepumpe die sinnvolle Anlagengröße um etwa 2 bis 3 kWp. Ein Einfamilienhaus in Germering landet damit meist bei 9 bis 12 kWp, sofern das Dach die Fläche hergibt. Entscheidend ist am Ende nicht die Faustformel, sondern die nutzbare Dachfläche — jedes zusätzliche Modul liefert die günstigste Kilowattstunde im Haus.

Wie viel Wärmepumpenstrom kommt tatsächlich vom eigenen Dach?

Ohne Steuerung rund 20 bis 25 Prozent, mit Batteriespeicher und Überschusssteuerung 30 bis 35 Prozent. Höhere Werte sind über das Gesamtjahr unrealistisch, weil die Wärmepumpe im Dezember und Januar am meisten braucht und die Anlage dann am wenigsten liefert.

Lohnt sich ein größerer Batteriespeicher wegen der Wärmepumpe?

Meist nicht. Die Kapazität, die im Winter helfen würde, liegt im Sommer brach. Wirkungsvoller sind ein ausreichend dimensionierter Puffer- und Warmwasserspeicher sowie eine Steuerung, die die Wärmebereitung in die Mittagsstunden legt.

Brauche ich einen separaten Zähler für die Wärmepumpe?

Zwingend nicht. Ein getrennter Zähler ermöglicht einen günstigeren Wärmestromtarif, erschwert aber die Nutzung des eigenen Solarstroms. Bei hohem Eigenverbrauch fährt man mit einem gemeinsamen Zähler oft besser. Die Entscheidung sollte vor der Anmeldung beim Netzbetreiber fallen.

Was passiert durch §14a EnWG mit meiner Wärmepumpe?

Der Netzbetreiber darf die Leistung bei Netzengpässen vorübergehend reduzieren, nicht aber abschalten; eine Mindestleistung bleibt garantiert. Dafür gelten reduzierte Netzentgelte. Ein Pufferspeicher gleicht solche Phasen ohne spürbaren Komfortverlust aus.

Was sollte zuerst gebaut werden, PV oder Wärmepumpe?

Die Reihenfolge ist flexibel, die Planungsreihenfolge nicht. Erst Heizlast und Vorlauftemperatur klären, daraus den Stromverbrauch ableiten, dann die PV-Anlage auslegen. Baulich kann die Photovoltaik problemlos vorlaufen — Zählerplatz und Leitungswege für die spätere Wärmepumpe gehören dann gleich mit eingeplant.

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